Kumulipo


Makaha Surfside

Leialoha Perkins mit Shana Okuda – ©Gérard Koch, 2018

Makaha Surfside

In der Agenda steht folgender Eintrag: Mon 27.Nov. 2017-Leialoha Perkins, Makaha Surfside, Waianae, HI. –  Ja wir müssen rechtzeitig mit dem Bus von unserem Hotel in Honolulu abfahren, dass wir rechtzeitig um 10.00 Uhr bei Leialoha eintreffen. Wir stehen an der Busstation gerade gegenüber unserem Hotel und warten auf den Schnellbus C, welcher über das Land, raus aus der Stadt, fährt. „Shana, ich sehe schon unseren Bus kommen hinter dem Anderen, der gerade unsere Station anfährt.“ Ich glaubte die sieben Dollar Busgeld für uns beide aus meinen Hosentasche und machte mich startklar um beim nächsten Bus ein zu steigen. In der einen Hand hielt ich den Filmausrüstungsrucksack und mit der anderen Hand schob ich die Dollars in den Zählautomaten beim Fahrer hinein mit meiner Bitte um zwei Tageskarten zu erhalten. Im hinteren Teil des schon gut mit Arbeitern überfüllten Buses hatte es gerade noch für uns zwei einen Sitz in dem Bus, wo ich mir den letzten Fensterplatz ergatterte.
Obwohl es nur Luftlinienmässig 45km sind, muss sich der Bus durch den Verkehr von Honolulu und Pearl Harbor quälen, wie der verkehrsreichen Küstenstrasse entlang fahren. Die modernen, in der Sonne glitzernden Hochhäuser von Honolulu verschwinden langsam hinter uns. Wir können von Glück sprechen, dass wir zum Interviewort Stadtauswärts fahren müssen, denn auf der Gegenfahrbahn der Autobahn Richtung City, stehen die Autos in vier bis sieben Spuren, kilometerlang in einer Blechlawine.
Nach gut einer Stunde Fahrt, verlässt der Schnellbus die Autobahn und fährt durch Wohnquartiere und Geschäftsvierteln nach Kapolei hinein, zu dem grossen Busbahnhof in der Haumea Str, welches nur ein langer Strassenrand ist.  Dort mussten auch wir in den nächsten Überlandbuss einsteigen, welcher schon bereit stand.
Bei der letzten grossen Autobahnkreuzung „‘Ewa-Schofield Junction“ folgt der Schnellbus dem Highway 1 nach „Honokai Hale“ wo die Autobahn in eine zweispurige Hauptstrasse übergeht.
„Frische Lei’s müssen wir auch noch besorgen“, teilte mir Shana laut in dem nicht so geräuscharmen Buss mit.
In Waianae angekommen, hält der grosse gelb,weisse Buss beim „Tamura“-Einkaufscenter an, wo wir das schaukelnde, lärmende Ungetüm verlassen, um noch kurz die Lei‘s kaufen zu gehen. Hier in Waianae, leben wirklich noch die ursprünglichen Hawai’ianer mit ihren scharfen Wachhunden und den riesigen, hochgestellten selbstgebauten Trucks.
Die Gegensätze von Waianae zu Honolulu können nicht grösser sein, wie die Armut zum Reichtum, aber auch von den Touristen. Findet man in Waianae nur Urlauber die sich verfahren haben, überquillt die Hauptstadt von ihnen.
Mit einer wohlriechender weißen Gingerblüten und einer Kornblumen Leis verlassen wir das Einkaufcenter wo wir wieder auf den nächsten Bus warteten , der uns zu Makaha Surfside fährt. Dort in wenigen Minuten angekommen, entsteigen wir schwer beladen und frierend der fahrenden Kühltruhe.
Wartend auf das grüne Männchen an der Strassenampel, haben wir das Ziel erreicht, wo wir uns danach bei der Security im Empfangscontainer meldeten, welcher unsere Ankunft an Leialoha überbrachte.

Biografie

Leialoha with Roland Francis Perkins – ©Gérard Koch, 2018

Leialoha Perkins ist am
5. März 1930 in Lahaina Maui, Hawai’ian Islands, geboren. Sie war die Tochter von Samuel Umi und Margaret Malia (Kaa’a) Apo.
Leialoha liebte die Sprache und das Reisen. So hat sie die ganze Welt auf abenteuerlicher Art  in ihrem Leben bereist. 1954 hat sie  Stephen G. Mark geheiratet, welcher leider 1966 verstarb. Nach ein paar Jahren später, 1971, hat sie  Roland Francis Perkins geheiratet mit dem sie zwei Kinder, Mark ‚Umi Perkins und Kele Douglas Perkins, auf die Welt brachte. Nebst ihrer grandioser Ausbildung und Karriere, hat sie mit Roland ihre Zeit in die Geschichte des Kumulipos investiert und Nachforschungen betrieben. Auch hat sie mehrere Bücher als Autor geschrieben.

Folgende Ausbildung und Karriere hat Leialoha vollbracht:
(in chronologischer Reihenfolge)

1957       Bachelor of Arts in englischer Literature cum laude, Boston University
1959       Master of Science in Library. Science, Simmons College
1966       Master of Arts in englischer Literature, Mount Holyoke College
1978       Doctor of Philosophy in Folklore and Folklife, University Pennsylvania
1959-1961     Catalogue library Museum Fine Arts, Boston
1965-1966     Smith College, Northampton
1966-1968     Instructor English Northeastern University, Boston
1973-1974     Library Boston Psychoanalytic Institute
1980-1986     Associate professor English and Anthropology Atenisi University,Nuku’alofa,Tonga,
1989-1994     Instructor Hawaiian studies University Hawaii-Leeward, Pearl City
1994-1999     Assistant professor Hawaiian studies University Hawaii-West Oahu
1994              Coordinator International Oral Traditions Program, Honolulu
2004              Co-founder Hui O Na Vahine Honua Earth Women’s Collaborative International

2001 Sept. 09,Tutu Leialoha Apo-Perkins at Yama Royale Ranch. photo by George F. Lee

Auszeichnung:

Förderpreis für die Initiierung des Journal HawnPac Folklore Folklife Studies, Hawai’i State Legislation, 1984-1986. Ernennung zum ersten gemeinsamen Promotions-Interne in Culture Learning Institute der University Pennsylvania im Ost-West-Zentrum, 1974-1976, Excellence in Teaching-Preis 1994, Hawaii-Preis für Literatur, Hawaii State Foundation Culture and Arts, 1998. Stipendiat für mündliche Tradition die Geisteswissenschaften, 1994.

HE Kumulipo

Der Kumulipo ist die hawai’ianische  Entstehungsgeschichte bestehend aus 2‘102 Sätze in 16  „wā“  (Kapiteln) welche zu Ehren von Prinz Kalaninuiamamao von Big Island gesungen wurde.
Diese Geschichte aus dem 18.Jh. ist der Gesang, der sowohl den Ursprung der Welt als auch die Genealogie von Hawai‘is regierender Familie erzählt. Der Kumulipo ist eine Poesie mit vielen Bedeutungsnuancen und Wortspielen, welche auch viele subtile Parabeln und Parodien von Rivalen der königlichen Familie enthält. Diese Mythologiegeschichte wurde verbal an Alapaiwahine weiter gegeben. 1889 hat King Kalākaua zum ersten Mal den Kumulipo in einer 60 seitigen Proschüre gedruckt. Beigelegt hatte er ein zweiseitiges Papier, welches den original Chant zeigt. Queen Liliʻuokalani beschrieb den Gesang als Gebet für die Entwicklung des Universums und die Abstammung der Hawai‘ianer. Sie, Liliʻuokalani, übersetzte den Gesang unter Hausarrest im Iolani-Palast. Diese Übersetzung wurde 1897 veröffentlicht und 1978 von Pueo Press erneut veröffentlicht.
Es ist sehr schwierig, das hawai‘ianische Wortspiel und den Reim in eine englische oder deutsche Prosa um zu verwandeln. Viele Gelehrte sind sich der Übersetzung heute noch uneinig.

Bei diesem fantastischen Gespräch erfahren wir auch von Leialoha Perkins, was sie mit dem Bamburgh Castle in der englischen Grafschaft Northumberland verbindet. Auch erfahren wir eine unschöne Geschichte über das Waimanalo Gulch Landfill.

zu Video Subscription

Nachwort

Eine schreckliche Nachricht hat uns aus Oahu über die Feiertage 2018 erreicht. Der Wind von Kaneana Mountain hat Leialoha Perkins mit den Vögeln und Insekten mit sich genommen. Sie hat den bunten Regenbogen ins Land der Seelen überschritten und hat ihre Augen am ……… für immer geschlossen.
Hawai’i  verliert mit ihr einer der wichtigsten kulturellen Menschen, welche soviel über die hawai’ianische Mythologie geschrieben hat und Bücher veröffentlichte.
Ihr grösster Wunsch in ihrem Leben war, obwohl sie sich immer vor der Kamera fürchtete, dass sie in einer Aufzeichnung über ihren Kumulipo erzählen konnte. Dazu muss man wissen, dass sämtliche hawai’ianische Inseln ihren eigenen Chant haben. Leialoha’s Version hingegen, welcher sie mit Roland, ihrem Mann, erforscht hatte,  ist der  Chant über die gesamten hawai’ianische Inseln.
Dieses Interview, welches meine Frau Shana und ich mit Leialoha machen durften, war ihr Lebenswunsch. Auch ist dieses Gespräch, nichtwissend, das letzte Gespräch von Leialoha Perkins, ein historisches Meisterwerk, welches ein wichtiger Pfeiler der hawai’ianische Geschichte sein wird.
Danke Leialoha Perkins, dass ich dich durch meine Frau Shana kennen lernen durfte. Deine Geschichten zu zuhören waren hochspannend und lernreich. Dein Humor, deine Geschichten und Freundlichkeit waren einzigartig. Sie werden in meinen Gedanken bleiben.

Aloha nui, Leihaloha Perkins.

Gallery:

Links:

Biography
Bamburgh Castle
Waimanalo Gulch Landfill

Arbeiten:

University Hawai’i Academia
Library

Bücher:

  • LOVE LETTERS: UNDER, OVER, AND DIAGONALLY
  • Cyclone Country – Jan 1, 1986
  • Other Places in the Turnings of a Mind – 1986
  • The Oxridge Woman – 1998
  • The firemakers and other short stories of Hawai’ì, the Sāmoas, and Tonga
  • Hawaiʻi Review Issue 27 Aloha ʻĀina: 1989
  • Natural, and other stories about contemporary Hawaiians Unknown Binding – 1979
  • Histories in Stone, Wood, Bone – 1998

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